Evangelische Kirchengemeinde Vohwinkel

Andacht

Denn der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele                  Markus 10,45

Liebe Gemeinde, liebe Leserinnen und Leser

Die Vorgeschichte dieses Verses beschreibt, wie die Brüder Johannes und Jakobus zu Jesus gingen und um die besten Plätze im Reich Gottes baten. Jesus wehrte ihre Anfrage ab. Von den anderen Zehn hören wir, wie furchtbar sauer sie auf die beiden waren. Vielleicht hegten auch sie ähnliche Absichten, waren aber ungehalten, dass die beiden Brüder es gewagt hatten, Jesus darauf anzusprechen.

Im engsten Kreis Jesu geschieht also etwas, was Kritiker schon immer der Kirche vorgeworfen haben. Es gehe eigentlich den Menschen in der Kirche – wie den Menschen sonst auch - um Macht und Einfluss. Auch dort gehe es letztlich darum, sich, vielleicht sogar mit Geschick, die besten Plätze zu sichern.

Tröstlich vielleicht: Es war von Anfang an so. Weniger tröstlich: Damit dürfen wir uns nicht zufrieden geben. Es geht nämlich um eine sehr grundsätzliche Sache. Es geht um die Sache Jesu. Sie beansprucht, im Blick gehalten zu werden. Unsere Herzen und Sinne, unser Leben, sei ausgerichtet auf das, was Jesus getan und gewollt hat. Und Jesus gibt in diesem Vers eine deutliche Beschreibung seines Tuns. Er ist gekommen, um zu dienen. Dieser Dienst seines Lebens findet die Erfüllung im Gang an das Kreuz, das für viele zum Zeichen des Lebens geworden ist und werden soll. „Lösegeld für viele“ nennt er sich. In seinem Tun und Lassen, in seinem Weg vor Gott, in seinem Leiden und Kreuz schafft er etwas, geschieht etwas, das wir nicht selber machen können: Erlösung. Einen Freikauf gibt es von dem, was unser Leben belastet an Schuld, an Fehlern, an Gottesferne. In diese Erlösung werden wir hinein geholt im Glauben und sollen dann versuchen, in seinem Sinne zu leben und zu handeln. Dazu gehört dann auch, zu dienen. Der Sache Jesu zu dienen, Menschen in der Liebe Gottes zu begegnen. Aus der Liebe Gottes heraus zu leben, im Blick auf Jesus unser Leben zu gestalten und mühevoll aufzugeben, was da an Motivationen noch unseren Weg begleitet: Stolz und Eitelkeit, der Wunsch nach Anerkennung, Macht und Einfluss und das damit oft verbundene Zeit und Energie raubende Tun.

Wir mögen uns unserer Aufgabe widmen, dem Reich Gottes zu dienen und seiner Gerechtigkeit, dafür leben und uns einsetzen. Als Schwestern und Brüder sollten wir einander ermutigen, einander (er)tragen, einander helfen, unserem Auftrag nachzukommen. Der großen Liebe Gottes in unserer Welt Raum geben.

Pfarrer Frank Beyer