Andacht

Liebe Gemeinde,
jahrelang hatte Salz für mich keine besondere Bedeutung. Salz war für mich genauso ein Gewürzmittel wie Pfeffer, Oregano, Zimt und so weiter. Wenn man Kindern eine gute abgeschmeckte Suppe hinstellt und sie fragt, was da alles drinnen sein mag, zählen sie mit Sicherheit das Gemüse auf, das gut sichtbar darin schwimmt. Fragt man sie nun aber nach dem Entscheidenden, weshalb die Suppe oder auch das Fleisch den so genannten „richtigen Geschmack“ hat, wird man sicher nicht die Antwort bekommen: Das Salz.
Jesus Christus sagt in der Bibel, in Matthäus 5,13 zu uns: „Ihr seid das Salz der Erde!“ und in der Guten Nachricht heißt es: „Was das Salz für die Nahrung ist, das seid ihr für die Welt!“
Jesus sagt nicht: „Ihr sollt sein“ oder „Ihr werdet sein“, sondern er sagt uns zu, dass wir das Salz der Erde sind.
Was für eine Bedeutung hatte denn das Salz damals, dass Jesus diesen Vergleich wählt?
Schon zu Jesus Zeiten hatte das Salz eine wichtige Bedeutung, um z.B. Fleisch vor der Verwesung zu bewahren. Salz wurde schon sehr früh gewonnen und zählte wohl schon immer zu den wichtigsten Lebensmitteln. Aufgrund dieser Wichtigkeit vergleicht Jesus uns Menschen mit dem Salz.
So wichtig wie das Salz für eine Suppe ist, so wichtig ist ein jeder von uns in der großen Gemeinde Jesu Christi in der Welt aber auch ganz konkret hier vor Ort in Vohwinkel.
Gott lädt uns ein, ein Teil der großen Gemeinschaft zu sein, die durch Gott gestiftet wird. Die Mitte dieser Gemeinschaft bildet Jesus Christus, der uns Gott im Menschen nahe gebracht hat. Die Mitte ist die christliche Gemeinschaft, vor allem der Gottesdienst. Hier wird Gottes Wort verkündet und die verschiedenen Gruppen treffen dort zusammen. Die Pfarrerin, der Pfarrer treten als Beauftragte für den Gottesdienst in die Mitte, um das Wort Gottes zu verkünden.
Dietrich Bonhoeffer spricht von einer teilhabenden und einer Sympathiegemeinschaft. Die Sympathiegemeinschaft ist die Gemeinschaft, die sich zusammenfindet, weil die Menschen in diesem Kreis sich mögen. Sie urteilen, ob jemand Neues dazugekommen kann oder nicht. Es handelt sich um einen Kreis, der aus Sympathien zueinander gebildet worden ist und in sich abschließt.
In der teilhabenden Gemeinde hingegen entsteht Gemeinschaft dadurch, dass jeder seinen Blick aufs Kreuz richtet und von dieser Mitte aus Gemeinschaft untereinander entsteht.
Zu der teilhabenden Gemeinde kann jeder gehören, der sich auf Jesus einlässt und auf diese Mitte hin lebt. Da gibt es keine richtigen Außenseiter mehr, weil Gott alle zu seiner Gemeinde ziehen will. Gott will keine Menschen ausschließen, wie wir es gegenseitig immer wieder in Sympathiegemeinschaften tun. In der teilhabenden Gemeinde ist jeder gleich viel wert.
Im Gottesdienst lässt sich am besten die teilhabende Gemeinschaft erfahren, so dass die Mitte Jesus bildet, der uns zugesagt hat: Ihr seid das Salz der Erde.
Amen.
Pfarrerin Britta Scholz
