Evangelische Kirchengemeinde Vohwinkel

Andacht

 „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“

Offenbarung 21,6

Liebe Gemeinde, die Jahreslosung, die uns durch 2018 begleiten soll, stößt uns auf ein ganz elementares menschliches Gefühl: Durst - das dringende Bedürfnis zu trinken. Wem auf einer Wanderung im Sommer schon mal die Trinkflasche leer wurde, der hat sicher eine Idee davon, was für ein quälendes Gefühl Durst sein kann. In unseren Breiten handelt es sich bei Durst meistens nur um eine vorübergehende Not. Ich weiß, am Ende der Wanderung mische ich mir eine leckere Schorle.

Und selbst wenn nicht, so kann ich mich darauf verlassen, dass aus dem Wasserhahn Trinkwasser kommt, soviel ich möchte. Der Zugang zu sauberem Wasser ist seit 2010 offiziell als Menschenrecht anerkannt. Er ist grundlegend und unverzichtbar für ein würdiges gesundes Leben. Dennoch haben etwa 850 Millionen Menschen weltweit keinen Zugang zu sauberem Wasser. Millionen Menschen, Erwachsene, vor allem aber auch Kinder, sterben jährlich an den Folgen verseuchten Wassers.

Unser Leben hängt vom Wasser ab.

Wir kennen unterschiedliche Arten von Durst: Durst nach Anerkennung, nach beruflichem Erfolg, nach Beziehungen, nach körperlicher Fitness, nach neuen Erlebnissen, …. Wonach uns dürstet, dafür sind wir bereit viel zu investieren: Zeit, Geld und Aufmerksamkeit. Gelingt es mir diesen Durst zu stillen, empfinde ich mein Leben als erfüllt, bin ich zufrieden. Ich habe mich angestrengt, viel Sport gemacht.

Jetzt bin ich wieder fit. Darüber bin ich zufrieden, denn das habe ich mir verdient.

Problematisch wird es, wenn dieser Zusammenhang nicht (mehr) funktioniert. Ich kann mich abmühen und trotzdem bleibt der Erfolg aus.

Das ist frustrierend, wenn die Mühe vergeblich war. Das habe ich nicht verdient.

Der Seher Johannes, aus dem ersten Jahrhundert nach Christus, berichtet im Buch der Offenbarung von seinen Visionen. Die Christen dieser Zeit litten unter dem Absolutheitsanspruch des römischen Staates. Der Kaiser ließ sich als Gott verehren.

Dabei nicht mitzumachen wurde als Angriff auf den Staat gewertet. Christen drohte damals Verfolgung, wie es andernorts auch heute leider noch vielfach der Fall ist. Anbei: Auch die freie Religionsausübung im privaten und öffentlichen Raum ist ein anerkanntes Menschenrecht. Die Bewahrung der eigenen Identität und Spiritualität erforderte großen Mut und innere Stärke. Der Seher Johannes will Hoffnung machen und die Bedrängten stärken: Er berichtet vom Kommen Gottes und der Verwirklichung seiner Macht.

In diesem Zusammenhang steht die Jahreslosung: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ Im lebensbedrohlichen Umfeld hatten die Christen Lebensdurst, Sehnsucht nach gelingendem Leben mit Gott.

In der Vision des Johannes wird deutlich: Gott ist die Quelle des Lebens, von ihm kommen wir und zu ihm gehen wir. Er ist der Anfang und das Ende. Was wir auch leisten, oder eben auch nicht leisten können, unser Leben speist sich aus der Quelle Gottes. Anders, als unsere persönliche Kräfte und Möglichkeiten versiegt diese Quelle nie, sie sprudelt unbegrenzt. Da wird aller Durst gestillt.

Umsonst. Geschenkt. Die Fülle des Lebens.

Lisa Weise