Evangelische Kirchengemeinde Vohwinkel

Andacht

Und Hanna betete und sprach: Mein Herz ist fröhlich in dem Herrn, mein Haupt ist erhöht in dem Herrn. Mein Mund hat sich weit aufgetan wider meine Feinde, denn ich freue mich deinesHeils. Es ist niemand heilig wie der Herr, außer dir ist keiner, und ist kein Fels, wie unserGott ist. Der Herr tötet und macht lebendig, führt hinab zu den Toten und wieder herauf. ...

Aus 1. Samuel 2,1.2 und 6-8

An Ostern feiern wir das Fest des Lebens. „Christus ist auferstanden!“ sagen und singen wir, denn der Tod ist besiegt.

Etwa eintausend Jahre vor dem ersten Osterfest singt Hanna im Heiligtum von Silo ihr Osterlied. „Mein Herz ist fröhlich in dem Herrn, mein Haupt ist erhöht in dem Herrn.“ Hanna hat allen Grund zur Freude. Ihr Flehen um ein Kind wurde erhört. Samuel, ihr erster Sohn, geboren. Vorbei die Zeiten der Demütigung.

Vorbei die Zeiten der Selbstzweifel und Schuldgefühle. Vorbei die Zeiten der quälenden Frage: „Warum nur erhört Gott meine Gebete nicht?“

Hinter Hanna liegt ein langer Leidensweg. Dann die lang ersehnte Wende: Hanna wird schwanger. Sie kann ihr Glück kaum fassen. Voll Freude stimmt sie ihren Lobpreis an. Mit Hannas „Osterlied“ beginnt eine lange Reihe der Hoffungslieder.

Aus der Tiefe ruft der Beter des 130. Psalms: „Herr höre meine Stimme, lass deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens.“ Die schwangere Maria rühmt im Magnifikat die großen Taten

Gottes: „Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes.“ Mitten im dreißigjährigen Krieg singen Christinnen und Christen: „Weicht ihr Trauergeister ... .“

Dreihundert Jahre später geben die schwarzen Sklaven in Amerika die Hoffnung nicht auf: „We shall overcome ...“. Vor Jahren beteten in Leipzig Christen und Konfessionslose vor den Montagsdemonstrationen.

Ihre Gebete haben die friedliche Revolution vorbereitet. Am Ostersonntag feiern bedrängte Christen und Christinnen im Irak und in Ägypten die Osterliturgie. Sie singen vom Sieg des Lebens über den Tod, trotz aller Bedrängnisse und Gefahren.

„Bei uns Christen ist alle Tage Ostern. Nur dass man einmal im Jahr Ostern besonders feiert...“, so Martin Luther. Jeden Tag Ostern feiern das heißt doch: Jeden Tag den auferstandenen Christus vor Augen haben. Jeden Tag neu Gott vertrauen. Jeden Tag neu sich für die Gegenwart Christi öffnen, in der Stille, im Gebet, im Betrachten der Worte Jesu. Mitten im Alltag, neu das Leben spüren und so eine „kleine Auferstehung“ feiern.

Mit ihrem Lied ermutigt uns Hanna, nicht nachzulassen im Vertrauen auf Gott, denn neues Leben ist möglich und bisher ungelebtes Leben kann heute zu leben beginnen. Ostern - das Fest des Lebens, weil Gott stärker ist als Tod!

Sylvia Wiederspahn