Evangelische Kirchengemeinde Vohwinkel

23.09.2018 | Einrichtungen, Allgemein

Initiatoren planen für 2019 ein neues geistliches Angebot für verwaiste Familien.

Am 23. September um 15 Uhr fand der jährliche Gedenkgottesdienst für verwaiste Eltern an der Trauerstätte zur Erinnerung an verstorbene (Geschwister-)Kinder auf dem ev. Friedhof Ehrenhainstraße statt. Auf Wunsch der Initiatoren soll es ab 2019 eine andere Form des Gedenkens geben. Ein Gespräch mit Pfarrerin Sylvia Wiederspahn,

Der Gottesdienst für verwaiste Eltern und Geschwister findet zum 15. Mal statt. Allerdings in dieser Form zum vorerst letzten Mal. Warum?
Sylvia Wiederspahn:
Bisher gab es immer einen eher traditionellen Gottesdienst mit besonderer Musik. Wir wollen zukünftig auch weiterhin ein geistliches Angebot für verwaiste Eltern anbieten. Aber in einer anderen Art und Weise: Mehr in Richtung „Musik und Lesung“. Wie genau das aussehen wird, werden wir uns noch überlegen.

Wen wollen Sie ansprechen?
Sylvia Wiederspahn:
Uns geht es um Eltern von Kinder jeden Alters. Immer dann, wenn die „natürliche“ Reihenfolge nicht eingehalten wird und das Kind vor den Eltern stirbt, ist das besonders schmerzlich für die Familien. Geschwister sind von diesem speziellen Verlust übrigens auch betroffen. Es ist schwer, mit toten Geschwistern aufzuwachsen. Sie sind immer präsent, obwohl sie nicht da sind.

Wer kommt denn zu dem Gedenkgottesdienst?
Sylvia Wiederspahn:
Es gibt einen festen Kreis von Besuchern. Häufig sind das Eltern, bei denen der Verlust des Kindes schon einige Jahre zurück liegt. Es gibt außerdem Eltern, die kein Grab für ihr verstorbenes Kind haben, an dem sie trauern können. Das liegt auch daran, dass Kindergräber absurderweise nach 15 Jahren aufgelöst werden. Es kommen aber auch Eltern und Geschwister dazu, deren Verlust noch sehr aktuell ist.
Ich habe beispielsweise eine Freundin, die ihr Kind vor 40 Jahren verloren hat. Es starb wenige Tage nach der Geburt. Für sie ist der Gedenkgottesdienst – wie für viele andere auch – ein fester Ritus, eine Form des Erinnerns.

Hat sich der Umgang mit verwaisten Eltern verändert?
Sylvia Wiederspahn:
Auf jeden Fall. Es gibt mittlerweile viele qualifizierte Angebote für verwaiste Eltern. Das liegt unter anderem auch daran, dass sich inzwischen der Hospizgedanke weiter entwickelt hat. Zu Anfang waren wir mit unserer Initiative das einzige Angebot weit und breit. Heute ist das anders. Sogar in der Hebammenschule beschäftigt man sich damit, wie man sich verhält, wenn ein Kind stirbt. Außerdem wissen viel mehr Leute in der Stadt, dass es beispielsweise ein Sternenkindercafé gibt, dass es unsere Trauerstätte gibt, dass es einen Verein gibt, der sich um verwaiste Eltern kümmert. Diese Hilfen sind bekannter geworden. Das ist eine gute Entwicklung.

Was passiert 2019?
Sylvia Wiederspahn:
Es wird auf alle Fälle ein neues Angebot geben. Unser Kreis mit Imke Hingkeldey, Doris Budde-Haldenwang, Bärbel Schanze, Dr. Susanne Fudickar, Antje Großer, Claudia Schweder wird etwas Neues vorbereiten. Aber es wird eine neue Form geben!